Coachingstunde: Beispiel eines Coachee der mehr Gehalt wollte

„Geld ist nicht alles im Leben“, na klar. Doch wir erfüllen uns ab und zu gerne einen Wunsch, wofür manchmal das nötige Kleingeld fehlt. Über Geld, Geltung und den Wunsch einer Gehaltserhöhung. Rekonstruktion einer Coaching-Stunde…

Geld und/oder Leben und andere Themen im Coaching (Foto: Dizain/ Shutterstock)

Geld und/oder Leben und andere Themen im Coaching (Foto: Dizain/ Shutterstock)

Max Mustermann*, Mitte 50 ist Chef von Felix Meier*, Anfang 40, und leitet die Controlling-Abteilung einer mittelständischen Firma im Pharmabereich mit mehreren hundert Mitarbeitern.

Felix arbeitet nun seit zwei Jahren bei der Firma, hat in den letzten Jahren grössere Projekte in Eigenregie gestemmt und startet 2016 in sein fünftes Jahr. Diese Überrgangszeit will Felix nutzen, noch vor Weihnachten mit seinem Abteilungsleiter sein aktuelles Gehalt neu zu verhandeln um mindestens 10% Gehaltszuwachs, wobei bis zu 30% laut „Marktwert“ möglich wären.

Zwar hat Felix mit seiner Familie und Freunden bereits über sein Anliegen gesprochen, sucht aber jetzt einen Karrierecoach in der Region auf um sich auf das anstehende Gespräch vorzubereiten. Felix will nichts dem Zufall überlassen und mit mir als Coach zusammen eine möglichst solide Strategie zu entwickeln.

Gesprächsideen – „Hilfe zur Selbsthilfe“

  1. Finden Sie den richtigen Termin, auf den sich Ihr Gesprächspartner ggf. vorbereiten kann statt mit der Tür ins Haus zu fallen bzw. unnötig Pulver zu verschiessen (im schlimmsten Fall ins eigene Knie, wenn der Abteilungsleiter vorab blockiert, sich erpresst fühlt). Sprechen Sie Ihren Chef möglichst beiläufig an, Sie sitzen im Büro nah beinander und haben das nötige Fingerspitzengefühl um den „richtigen“ Moment abzupassen: z.B: Mittwochmittag (da Montags operative Hektik, Backlog vom Wochenende) sobald die meisten Kollegen bereits auf ihrem Heimweg sind…
  2. Nutzen Sie das Gespräch, um hart in der Sache aber stets verbindlich in Ihrer Art klar zu machen, wie gerne Sie auch im neuen Jahr mit Ihrem Chef zusammenarbeiten möchten und ihn in bereits gezeigter Weise durch High Performance unterstützen. Vermitteln Sie Ihrem Chef währen des gesamten Gesprächs das Gefühl, dass Sie führen stets die Möglichkeit, direkt auf Ihre Punkte zu reagieren bzw. nochmals „eine Nacht drüber zu schlafen“. Damit zeigen Sie Stärke, Souveränität aber auch Loyalität gegenüber Ihrem Chef…
  3. Genauso wichtig wie der Einstieg ist auch der Ausstieg aus einem eher schwierigen Gespräch. Dabei fassen Sie nochmal ihr Anliegen kurz zusammen und vereinbaren die nächsten Schritte. Sollte Ihr Chef beleidigt reagieren, machen Sie ihm deutlich dass Sie gerne mit ihm zusammenarbeiten. Reagiert er bockig, sagen Sie ihm ruhig – nicht gehetzt – dass Sie dieses offene Gespräch schätzen und vor ihm ebenso nichts verbergen möchten um Ihre Beziehung zu stärken. Angebote von Headhuntern dienen lediglich als letzter „Nachschlag“, falls notwendig. Doch das haben Sie ja nicht nötig, das Sie sich durch fachliches Know-How und Menschenverstand auszeichnen…

Zu allgemein? Hier ein ausführlicherer Handlungsleitfaden, jeweils mit Aktion, Regieanweisung und möglichem Gesprächsverlauf – ähnlich wie einem Theaterstück oder Flirt in dem Sie die Hauptrolle spielen! 

Gesprächstermin vereinbaren

  • „Du Max, lass uns doch mal wieder einen Kaffee trinken – wann ist’s dir recht?“
  • „Felix, jetzt gleich“
  • „Es wäre klasse, wenn wir einen ruhigen Moment haben, eine Viertelstunde. Wann passt es dir am besten?“
  • „Um was geht’s denn?“
  • „Ich würde gerne zum auslaufenden Geschäftsjahr dein Feedback bekommen und mit dir zusammen schauen, welche Dinge wir im neuen Jahr anpacken“
  • „Komm einfach gegen 6 heute (oder morgen) in mein Büro“ / „Lass uns kommende Woche zusammensetzen“
  • „Super, das freut mich. Danke“

Feedback einholen

  • „Danke, Max, dass du dir die Zeit nimmst.“
  • „Klar, komm zur Sache, Felix“
  • „Ich denke, 2015 ist gut gelaufen für uns, v.a. die beiden Projekte die du mir gegeben hast. Da hast du mir viel Verantwortung gegeben – ich hoffe du warst/bist zufrieden?“
  • „Aber sicher doch. Hast du etwa andere Pläne?“
  • „Ich arbeite gerne mit dir zusammen und will mit dir im neuen Jahr spannende Projekte stemmen…. (Anekdote) aber du weisst ja, wie das mit den Headhuntern ist. Du brauchst nur auf deinem XING-Profil im Netz Controlling als Stichwort nennen und wirst bereits kontaktiert – ohne das ich irgendwas in diese Richtung unternommen hätte“
  • „Da bin ich aber froh, dachte schon du gehst jetzt auch noch“
  • „Wie gesagt, ich arbeite gerne mit dir und dem Team zusammen und schaue auch, dass wie neue Kollegen möglichst schnell einarbeiten.“
  • „Super, danke“
  • „Das läuft natürlich neben meinem Projektgeschäft – aber ich helfe auch 2016, wo ich kann.  Wie ich das 2015 gezeigt habe. Allerdings, ich möchte offen sein, wünsche ich mir von deiner Seite das sich dies auch in meinem Gehalt wiederspiegelt“
  • „Uff. Ach so meinst du das. Nun ja, wir können ja drüber sprechen schliesslich machst du gute Arbeit. Was schwebt dir denn vor?“
  • „Ich denke da an zwischen plus 10% – 15%“. Was denkst du darüber, könntest du dir das vorstellen?“
  • „Das kann ich hier und jetzt noch nicht entscheiden, lass mich eine Nacht drüber schlafen und ich melde mich morgen wieder bei dir“
  • Oder: „Einverstanden, ich setze den Vertragszusatz morgen auf – dann hast du das noch vor Weihnachten“
  • Oder: „Das ist zu viel – sagen wir 8%“? (wäre dann nicht akzeptabel, würde aber dennoch der Höflichkeit halber anbieten, sich das Angebot durch den Kopf gehen zu lassen aber auch mögliche Alternativangebote näher anzuschauen da Ihr „Marktwert“ bis zu +30% Gehaltszuwachs hergibt

Für alle Eventualitäten gerüstet – „Fall-Back“-Option

  • „Danke nochmal, dass du dir die Zeit für unser Gespräch genommen hast, Max. Mit Blick auf die Uhr möchte ich dich nicht weiter aufhalten…“
  • „Das tust du nicht, Felix.“
  • „Was wäre für dich der nächste Schritt?“
  • „Lass mich drüber schlafen“
  • Oder: „Ich setze morgen Vertragszusatz auf, dann haben wir das vom Tisch“
  • Oder: „Ich verstehe deinen Punkt, die anderen Kollegen bekommen aber auch keine Gehaltserhöhung – das wäre ihnen gegenüber unfair“
  • (Als Nachschlag, falls notwendig mit einem Augenzwinkern) „Naja, Max – in unserer Abteilung verdienen wir aber doch bestimmt auch unterschiedliche Gehälter, oder?“
  • „Schon klar, Felix. Du, ich melde mich dann bei dir. Schönen Abend“
  • „Ciao, bis morgen in alter Frische – und danke nochmals“

* Selbstverständlich ist Coaching anonym. Dieses Beispiel ist konstruiert, Namen wurden von der Redaktion geändert. Ähnlichkeiten mit real lebenden Personen sind rein zufällig.

Artikelbild: Diziain/ Shutterstock

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